Sagenhafte Ausflugstipps Auf der Spur von Riesen, Rittern und Geisterhunden

Noch Ferien und endlich Sonnenschein - wie wäre es also mit einem kleinen Ausflug? Wir haben fünf Vorschläge, wo in Hessen Sagen und Märchen lebendig werden.

Ein Frau mit schwarzen Haaren im mittelalterlichen Kostüm auf einer Wiese, auf ihrem Arm sitzt ein Falke, im Hintergrund die Sababurg.
Andrea Robrecht als "Jägerin vom Reinhardswald". Bild © Privat

Die letzte Ferienwoche steht vor der Tür, das Wetter soll schön werden - warum also nicht einen Ausflug in die Umgebung machen? Viele Orte haben nicht nur ihre eigene Geschichte, um sie ranken sich auch viele Geschichten: Sagen und Märchen, die bis heute erzählt werden.

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Ausflüge im sagenhaften Hessen

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Wir haben fünf Vorschläge, wo diese Geschichten lebendig werden:

Der Graf vom Reinhardswald

Tiefe Wälder haben die Phantasie der Menschen schon immer angeregt. Auch um den größten geschlossenen Wald Hessens, den Reinhardswald, ranken sich viele Sagen, wie die um seine Entstehung.

Andrea Robrecht, die "Jägerin vom Reinhardswald", erzählt bei ihren Touren durchs dichte Grün die Sage von Graf Reinhard, dem das Land zwischen Diemel und Weser einst gehörte. Er war ein Spieler und verlor seinen ganzen Besitz. Weil er ihn aber seinem Gegner nicht gönnte, erbat er sich eine letzte Ernte. Er ließ überall Eicheln ausstreuen und so entstand der Reinhardswald.

Die Geschichte spiegelt, dass der Reinhardswald ursprünglich nicht so dicht und wild war, wie er uns heute erscheint. Es ist ein Kulturwald, ein sogenannter Hutewald, der als Weide für das Vieh genutzt wurde, mit Hute-Eichen, die teils bis heute zu bewundern sind.

Ein Mann in rotem Pulli unter einem riesigen, verzweigten Baum
Der Urwald im Reinhardswald ist ein unter Natur- und Landschaftsschutz stehendes Biotop mit über 500 Jahren alten Bäumen. Bild © picture_alliance_dpa_Archiv

Kegelnde Riesen in der Rhön

Auch die Landschaft zwischen Hünfeld nach Rasdorf hat eine sagenhafte Geschichte. Dort erheben sich wie an einer Schnur aufgereiht eine Reihe von Hügeln. Die neun bewaldeten, kegelförmigen Vulkanberge bilden das "Hessische Kegelspiel".

Der Sage nach spielten hier Riesen Kegeln mit Soisberg, Wisselsberg, Rückersberg und den anderen Hügeln und nutzen den Stoppelsberg als Kugel. Das Kegelspiel lässt sich zum Beispiel bei einer Radtour erkunden.

Aber es gibt hier noch viele andere Sagen aus der Rhön zu entdecken. Zum Beispiel kann man bei Poppenhausen auf den Spuren des Riesen Mils wandern oder bei Geismar erfahren, wie der Rockenstuhl zu seinem Namen kam.

Herbstzeitlose vor der Kulisse des Hessischen Kegelspiels bei Hünfeld", schreibt hessenschau.de-Nutzer Rainer Maus zu seinem Foto.
Die Blumenwiese vor der Kulisse des Hessischen Kegelspiels bei Hünfeld fotografierte hessenschau.de-Nutzer Rainer Maus. Bild © Rainer Maus

Clevere Glauburgerinnen und andere Geschichten aus der Wetterau

Der Glauberg in der Wetterau ist nicht nur für seine Funde aus der Keltenzeit bekannt. Um ihn rankt sich ein reichhaltiger Sagenschatz. Eine handelt davon, wie es dazu kam, dass die Herren der Glauburg ihren gut befestigten Wohnsitz verlassen mussten, von dem heute nur noch Ruinen übrig sind.

Demnach wurden die Glauburger im Streit mit den Grafen von Büdingen von einem Mönch überlistet. Um zu überleben, griffen sie selbst zu einer List. Denn nur Frauen und Kinder durften die Burg ungeschoren verlassen mit allem, was sie tragen konnten. Also trugen die cleveren Burgfrauen ihre Männer auf dem Rücken davon.

Den Glauburg-Schatz hatten sie vorher in der Burg vergraben – aber das ist eine andere Geschichte. Die Natur- und Kulturführer der Region Wetterau – Vogelsberg – Taunus machen diese und viele andere Sagen bei Führungen erlebbar.

Fundamente im Wald
Reste einer mittelalterlichen Häuserreihe der Burg Glauburg. Bild © Commander-pirx via Wikipedia

"Gockel, Hinkel und Gackaleia" in Hanau-Wolfgang

Mitten im Wald bei Hanau findet sich ein verwunschener Ort: Die Klosterruine St. Wolfgang. Das ehemalige Servitenkloster stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auch der Romantiker Clemens Brentano kannte die Stelle und siedelt hier 1838 sein Kunstmärchen "Gockel, Hinkel und Gackaleia" an.

Es handelt vom Raugraf Gockel von Hanau, der beim König von Gelnhausen in Ungnade fällt. Mit seiner Gattin Hinkel von Hennegau und Tochter Gackeleia zieht er auf das verfallene Schloss "in einem wilden Wald zwischen Hanau und Gelnhausen", in dem nur der Hühnerstall bewohnbar ist und der Hahn Alektryo eine entscheidende Rolle spielen wird. Wie es weitergeht? Unbedingt nachlesen! 

Ein Turm und überwachsene Gebäudeteteile im Wald
Die Klosterruine in Hanau-Wolfgang, Inspiration für Clemens Brentano. Bild © Haselburg-Müller via Wikipedia

Melampus und andere Sagengestalten in Heppenheim

Wenn es dunkel wird in den Gassen rund um den Marktplatz von Heppenheim erwachen alte Geschichten zum Leben. Auf dem Laternenweg zeigen illuminierte Scherenschnitte des Künstlers Albert Völkl Sagenfiguren aus ganz Hessen.

Kostümierte Laternenführer erzählen von Riesinnen, Wichteln und Geistertieren. Besonders beliebt ist die Sage von Melampus, dem tapferen Hund, der die Starkenburg gegen Eindringlinge verteidigte. Angeblich wird der unsterbliche Held von Heppenheim auch heute noch am Schlossberg gesichtet.

Die Laternen sind beschildert, so dass man den Weg auch auf eigene Faust oder mit einem Audioguide erkunden kann.

Eine altmodische Straßenlaterne mit Scherenschnitt-Bildern, unter anderem ein tanzender Teufel
Mehr als 150 Scherenschnitte des Künstlers Albert Völkl leuchten seit 2004 aus den Straßenlaternen der Heppenheimer Altstadt herab – und alle zeigen hessische Sagen. Bild © Stephan Dinges

Von wegen "uralt"

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Warum Sagen in Mode kamen

Wolfgang Bunzel, Leiter der Abteilung Romantik-Forschung im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt, räumt mit der Annahme auf, dass Sagen Jahrhunderte alt sind.

Oft gebe es überlieferte Kerngeschichten, Namen oder Personen. Aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts schmückten Autoren und Geschichtsschreiber diese Geschichten aus oder erfanden neue.

Wolfgang Bunzel spricht von einem Bedarf nach Identität: Die deutschen Länder waren um 1800 ein Flickenteppich ohne nationale Einheit. Daher bezog man sich auf die Sprache und eine gemeinsame Märchen- und Sagenmythologie. Die Sammlungen solcher Sagen schufen vor allem regionale Identität.

Der aufkommende Tourismus erzeugte weiteren Bedarf an Sagen. Denn die Reisenden wollten etwas über die Orte erfahren und die bloße Aneinanderreihung von Fakten war nicht interessant. Daher entwarfen die romantischen Autoren gezielt Geschichten, die wirkten, als ob sie alt seien, z.B. Clemens Brentanos Lorelay-Erzählung.

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Redaktion: Alexandra Müller-Schmieg

Sendung: hr2 kultur,

Quelle: hessenschau.de