Sagenhafte Ausflugstipps Auf der Spur von Riesen, Rittern und Geisterhunden
Noch Ferien und endlich Sonnenschein - wie wäre es also mit einem kleinen Ausflug? Wir haben fünf Vorschläge, wo in Hessen Sagen und Märchen lebendig werden.

Die letzte Ferienwoche steht vor der Tür, das Wetter soll schön werden - warum also nicht einen Ausflug in die Umgebung machen? Viele Orte haben nicht nur ihre eigene Geschichte, um sie ranken sich auch viele Geschichten: Sagen und Märchen, die bis heute erzählt werden.
Ausflüge im sagenhaften Hessen
Wir haben fünf Vorschläge, wo diese Geschichten lebendig werden:
- Der Graf vom Reinhardswald
- Kegelnde Riesen in der Rhön
- Clevere Glauburgerinnen und andere Geschichten aus der Wetterau
- "Gockel, Hinkel und Gackaleia" in Hanau-Wolfgang
- Melampus und andere Sagengestalten in Heppenheim
- Von wegen "uralt": Warum Sagen überhaupt in Mode kamen
Der Graf vom Reinhardswald
Tiefe Wälder haben die Phantasie der Menschen schon immer angeregt. Auch um den größten geschlossenen Wald Hessens, den Reinhardswald, ranken sich viele Sagen, wie die um seine Entstehung.
Andrea Robrecht, die "Jägerin vom Reinhardswald", erzählt bei ihren Touren durchs dichte Grün die Sage von Graf Reinhard, dem das Land zwischen Diemel und Weser einst gehörte. Er war ein Spieler und verlor seinen ganzen Besitz. Weil er ihn aber seinem Gegner nicht gönnte, erbat er sich eine letzte Ernte. Er ließ überall Eicheln ausstreuen und so entstand der Reinhardswald.
Die Geschichte spiegelt, dass der Reinhardswald ursprünglich nicht so dicht und wild war, wie er uns heute erscheint. Es ist ein Kulturwald, ein sogenannter Hutewald, der als Weide für das Vieh genutzt wurde, mit Hute-Eichen, die teils bis heute zu bewundern sind.

Kegelnde Riesen in der Rhön
Auch die Landschaft zwischen Hünfeld nach Rasdorf hat eine sagenhafte Geschichte. Dort erheben sich wie an einer Schnur aufgereiht eine Reihe von Hügeln. Die neun bewaldeten, kegelförmigen Vulkanberge bilden das "Hessische Kegelspiel".
Der Sage nach spielten hier Riesen Kegeln mit Soisberg, Wisselsberg, Rückersberg und den anderen Hügeln und nutzen den Stoppelsberg als Kugel. Das Kegelspiel lässt sich zum Beispiel bei einer Radtour erkunden.
Aber es gibt hier noch viele andere Sagen aus der Rhön zu entdecken. Zum Beispiel kann man bei Poppenhausen auf den Spuren des Riesen Mils wandern oder bei Geismar erfahren, wie der Rockenstuhl zu seinem Namen kam.

Clevere Glauburgerinnen und andere Geschichten aus der Wetterau
Der Glauberg in der Wetterau ist nicht nur für seine Funde aus der Keltenzeit bekannt. Um ihn rankt sich ein reichhaltiger Sagenschatz. Eine handelt davon, wie es dazu kam, dass die Herren der Glauburg ihren gut befestigten Wohnsitz verlassen mussten, von dem heute nur noch Ruinen übrig sind.
Demnach wurden die Glauburger im Streit mit den Grafen von Büdingen von einem Mönch überlistet. Um zu überleben, griffen sie selbst zu einer List. Denn nur Frauen und Kinder durften die Burg ungeschoren verlassen mit allem, was sie tragen konnten. Also trugen die cleveren Burgfrauen ihre Männer auf dem Rücken davon.
Den Glauburg-Schatz hatten sie vorher in der Burg vergraben – aber das ist eine andere Geschichte. Die Natur- und Kulturführer der Region Wetterau – Vogelsberg – Taunus machen diese und viele andere Sagen bei Führungen erlebbar.

"Gockel, Hinkel und Gackaleia" in Hanau-Wolfgang
Mitten im Wald bei Hanau findet sich ein verwunschener Ort: Die Klosterruine St. Wolfgang. Das ehemalige Servitenkloster stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auch der Romantiker Clemens Brentano kannte die Stelle und siedelt hier 1838 sein Kunstmärchen "Gockel, Hinkel und Gackaleia" an.
Es handelt vom Raugraf Gockel von Hanau, der beim König von Gelnhausen in Ungnade fällt. Mit seiner Gattin Hinkel von Hennegau und Tochter Gackeleia zieht er auf das verfallene Schloss "in einem wilden Wald zwischen Hanau und Gelnhausen", in dem nur der Hühnerstall bewohnbar ist und der Hahn Alektryo eine entscheidende Rolle spielen wird. Wie es weitergeht? Unbedingt nachlesen!

Melampus und andere Sagengestalten in Heppenheim
Wenn es dunkel wird in den Gassen rund um den Marktplatz von Heppenheim erwachen alte Geschichten zum Leben. Auf dem Laternenweg zeigen illuminierte Scherenschnitte des Künstlers Albert Völkl Sagenfiguren aus ganz Hessen.
Kostümierte Laternenführer erzählen von Riesinnen, Wichteln und Geistertieren. Besonders beliebt ist die Sage von Melampus, dem tapferen Hund, der die Starkenburg gegen Eindringlinge verteidigte. Angeblich wird der unsterbliche Held von Heppenheim auch heute noch am Schlossberg gesichtet.
Die Laternen sind beschildert, so dass man den Weg auch auf eigene Faust oder mit einem Audioguide erkunden kann.

