Salzmann-Areal in Kassel Diesmal werden hier keine Luftschlösser gebaut

Das Salzmann-Areal ist eine riesige Brachfläche im Kasseler Stadtteil Bettenhausen. Früher war dort eine Textilfabrik, später eine Kult-Disco. Nun entsteht nach jahrzehntelangem Stillstand tatsächlich ein neues Stadtquartier.

Hoher Schornstein und mehrere Baukräne vor blauem Himmel auf einem Industriegelände.
Der Salzmann-Schornstein zählt zu den industriellen Wahrzeichen in Kassel-Bettenhausen. Bild © Marcel Ruge (hr)

Das sei das "Wunder von Bettenhausen". Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne) geizt am Donnerstag nicht mit historischen Vergleichen. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie lange wir uns in Kassel auf diesen Tag gefreut haben."

An diesem Tag ist die feierliche Grundsteinlegung für das Wohncarrée Industriedenkmal Salzmann. Zwar rollen schon seit einigen Monaten die Bagger, laufen Sanierungs- und Neubauarbeiten auf dem Gelände im Stadtteil Bettenhausen bereits. Aber mit dem Festakt ist nun endgültig klar: Es passiert wirklich etwas.

Grundsteinlegung auf einer Baustelle mit mehreren Personen vor Gerüst, Baukran und Informationstafeln.
Sven Schoeller bei der Grundsteinlegung auf dem Salzmann-Gelände. Bild © Marcel Ruge (hr)

Auf dem Gelände sollen über 250 Wohnungen entstehen, zum Teil gefördert durch das Land Hessen. So soll die Miete in einem Teil der Wohnungen auch für Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen erschwinglich sein.

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Leerstehende Fabrik wird zum Wohnquartier

hs
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Auch knapp 100 sogenannte Service-Wohnungen mit Unterstützungsangeboten speziell für ältere Menschen zählen dazu. Darüber hinaus ist eine Seniorenresidenz mit 163 Pflegeplätzen geplant.

Auch Kultur soll wieder auf Salzmann-Gelände Platz haben

Bei Wohnraum allein soll es auf dem Gelände nicht bleiben. Auf rund 1.500 Quadratmetern sollen Kultur- und Gewerbeflächen unterkommen. Auch ein Supermarkt und ein parkähnlicher Innenhof sind geplant. 100 Millionen Euro steckt die Lindhorst-Gruppe in das gesamte Projekt. In zwei Jahren soll es fertig sein.

Visualisierung eines sanierten Backsteingebäudes mit langgestreckter Fassade und Turmelement, umgeben von Grünanlagen und Wegen im Abendlicht.
So soll der markante und denkmalgeschützte Südflügel der ehemaligen Salzmann-Fabrik künftig aussehen. Bild © Pecuria

"Sowohl die Sanierung der denkmalgeschützten Fabrik als auch der erste Neubau laufen derzeit ganz nach Plan", sagt Roman Fabel Hansen, Projektleiter beim Bauunternehmen Cureus, das zur Lindhorst-Gruppe gehört. Man kenne sich aus mit der Sanierung alter Bestandsgebäude.

In Hannover etwa baut die Lindhorst-Gruppe ein ehemaliges Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn zu einem neuen Wohnviertel um. Zudem zählt der Bau von Pflegeheimen zu ihrem Geschäft. Demnächst will sie eine Seniorenresidenz in Wiesbaden-Dotzheim eröffnen.

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Lindhorst

Die Lindhorst-Gruppe mit Sitz im niedersächsischen Winsen (Aller) ist laut eigenen Angaben ein Familienunternehmen mit über 4.000 Mitarbeitern. Zu den Geschäftsfeldern zählen Immobilienprojekte, der Betrieb von Pflegebetrieben sowie Land- und Forstwirtschaft.

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Jahrzehntelanger Stillstand

Dass jetzt in Kassel-Bettenhausen Bagger rollen, Geld investiert und ein Grundstein gelegt wurden, grenzt tatsächlich an ein kleines Wunder. In den zurückliegenden Jahrzehnten gab es zwar viele Pläne für das Salzmann-Areal - wirklich passiert ist aber nie etwas.

Multifunktions-Arena, Einkaufszentrum, technisches Rathaus - all das sollte auf dem Gelände schon untergebracht werden. Nachdem im Jahr 2002 die letzte Techno-Party in der Kult-Disco Stammheim auf dem Gelände gefeiert worden war, kaufte der Immobilien-Investor Dennis Rossing das Gebäude. 2004 stellte er erstmals seine Pläne vor, damals noch für ein Einkaufszentrum.

Projekt für Luxus-Wohnungen scheitert

Doch statt sanierter Industrie-Bauten folgten jahrelanger Stillstand und Streit mit der Stadt. Ende 2014 wollte mit Uwe Birk ein anderer Investor Luxus-Wohnungen auf dem Gelände errichten. "Wir sind guten Mutes, dass diese Entwicklung positiv für den Kasseler Osten sein wird", sagte der damalige Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

Doch es kam wieder anders. Nur wenige Monate später sprang Investor Birk ab. Im Anschluss folgte ein Rechtsstreit mit dem Bad Hersfelder Salzmann-Eigentümer Dennis Rossing darüber, wer das denkmalgeschützte Gebäude in Schuss halten solle.

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20 Jahre lang an Salzmann abgearbeitet

Dennoch hielt Rossing lange an seinen späteren Plänen für den Bau hunderter Wohnungen fest, betonte noch 2023 im hr: "Meine Motivation ist es nach wie vor, das Objekt genauso umzusetzen, wie wir es geplant haben." Doch es kam trotz vorliegender Baugenehmigung wieder anders.

Ein Jahr später verkaufte Rossing das Areal an die Lindhorst-Gruppe. Als das Unternehmen im März vergangenes Jahres seine Pläne vorstellte, schwang trotz aller Euphorie auch Skepsis mit: Werden da wieder Luftschlösser gebaut?

Großer, verlassener Fabrikraum mit offenem Stahltragwerk, zerbrochenen Dachflächen, Schutt auf einer erhöhten Laufbahn und Graffiti an freistehenden Wänden.
Die alten Fabrikhallen von Salzmann sind trotz vieler Pläne zuletzt immer mehr verfallen. Bild © Jürgen Jenauer (hr)

Gut ein Jahr später ist klar, dass tatsächlich etwas passiert bei Salzmann. Seit Dezember 2025 läuft die Sanierung der verbliebenen denkmalgeschützten Gebäude auf dem über 36.000 Quadratmeter großen Gelände, entstehen neue Gebäude. Nun also die Grundsteinlegung.

Lob auch aus der Kulturszene

Lob für das Projekt gab es auch aus der Kulturszene. "Die Stadtverwaltung ist an dem Thema immer dran geblieben", sagt Oliver Leuer dem hr. Er ist Geschäftsführer des Vereins Kulturfabrik Salzmann, der auch nach dem Weggang von dem Gelände weitergemacht hat.

"Totgesagte leben länger", sagt Leuer. "Viele Leute haben gesagt, das wird hier nichts mehr, ich habe nicht dazu gehört." Wie genau das Gelände künftig kulturell genutzt wird, ist aber noch offen.

Vor 150 Jahren hat die Geschichte von Salzmann begonnen. Wo früher tausende Arbeiter Textilien herstellten und spätere zahlreiche Techno-Fans aus ganz Deutschland tanzten, sollen bald hunderte Menschen ein neues Zuhause finden. Ende 2027 könnten die ersten Wohnungsschlüssel übergeben werden.

Sendung: hr1, 23.04.2026 10:00 / hr-fernsehen, hessenschau,

Quelle: hessenschau.de