Wie können wir Erdwärme nutzen? Weltweit einzigartige Geothermie-Forschung im Odenwald möglich

Die Tromm im Odenwald ist bestens geeignet, um dort ein unterirdisches Labor für die Forschung an Geothermie zu bauen. Ein Labor in 400 Metern Tiefe soll nun Realität werden. Es soll entscheidend dazu beitragen, Wärmeenergie tief aus der Erde zu nutzen.

Die Baustelle auf der Tromm ist bereit für die Bohrungen
Die Erkundungsbohrungen auf der Tromm haben ergeben, dass das Gestein geeignet sit. Bild © hr

Es ist rund eineinhalb Jahre her, da ist zum ersten Mal ein blauer, schwerer Truck über die Tromm, einen markanten Bergrücken im Odenwald (Bergstraße), gerollt. Der sogenannte Vibro-Truck sollte Schwingungen in den Boden schicken, um das Gestein unter der Erde zu erkunden. Seitdem haben die Forscher weitere Tests durchgeführt, etwa zur Magnetik. Außerdem haben Spezialisten aus bis zu 600 Metern Tiefe Bohrkerne an die Oberfläche geholt und analysiert.

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Wissenschaftler und Landkreis freuen sich: GeoLab auf der Tromm soll kommen

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Das Ziel war, herauszufinden, ob sich die Tromm als Standort für ein Geothermie-Labor eignet. Nun liegt das Ergebnis vor und bringt Projektleiter Bastian Rudolph vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ins Schwärmen. Denn die Auswertung zur Tromm zeigt, "dass es nicht nur stimmt, sondern dass die Ergebnisse noch besser sind, als erwartet". Das sei nicht vorhersehbar gewesen, ergänzt Rudolph, für die Forschung aber ein Glücksfall.

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Geothermie

Bei Geothermie wird die Wärme der Erde zur Energiegewinnung genutzt, um unabhängiger von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas zu sein. Das ist bereits jetzt oberflächennah mithilfe von Kollektoren oder Sonden möglich. Außerdem wird bereits warmes Thermalwasser genutzt (hydrothermale Geothermie).

Das größte Potenzial sehen Wissenschaftler jedoch in der Wärme tief unter der Erde (petrothermale Geothermie). Wie diese sicher genutzt werden kann, soll das GeoLab Forschungsprojekt untersuchen.

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Drei Zonen treffen aufeinander

Auf der Tromm treffen drei Gesteinszonen aufeinander, die die Forschung an Geothermie dort besonders interessant machen. Dicht unter der Erdoberfläche liegt ein zerklüfteter, durchlässiger Granit, darunter befindet sich härterer, dichterer Gneis – und dazwischen eine sogenannte Störzone.

Das ist ein Bereich, in dem die beiden Zonen aufeinandergetroffen sind und sich aneinander gerieben haben. "Das sind genau die drei Zonen, die wir sehen wollen", erklärt Rudolph.

Beobachten, was tiefer unter der Erde passiert

Die Tromm ist für die Wissenschaftler so reizvoll, weil die Experimente wenige hundert Meter tief im Gestein Aussagen darüber liefern könnten, was sonst nur in mehreren tausend Metern Tiefe im kristallinen Gestein zu beobachten ist.

Ziel des Projekts ist es, mehr über die sogenannte petrothermale Geothermie zu erfahren, also darüber, wie die Wärme der Erde aus kilometertiefen Gesteinsschichten für die Nutzung als Strom oder Wärme genutzt werden kann. "Dass wir in diesem Untergrund Experimente machen können, das gibt es sonst weltweit nicht", freut sich Bastian Rudolph.

Labor unter Tage geplant, 2029 soll gebaut werden

Die entsprechenden Experimente wollen die Wissenschaftler direkt im Felsen in einem Labor unter Tage durchführen. Dafür soll ein Stollen von ein bis zwei Kilometern Länge und einem Durchmesser von sechs Metern entstehen, vermutlich rund 400 Meter tief unter der Erdoberfläche. Wie und wo er gebaut werden könnte, sind nun die nächsten entscheidenden Fragen im GeoLab-Projekt, das von einem Forschungsverband der größten deutschen Forschungsorganisationen verantwortet wird. Auch die Technische Universität Darmstadt ist beteiligt.

Ziel des Projektteams ist es, Ende 2028 oder Anfang 2029 mit dem Bau des Stollens zu beginnen. Die ersten Tests im Probebetrieb könnten 2031 durchgeführt werden. Neben dem Stollen soll auch ein Besucherzentrum entstehen – insgesamt sind für das Projekt bislang 50 Millionen Euro veranschlagt.

Chance für Odenwaldgemeinden

Für den Bürgermeister von Rimbach, Holger Schmitt (PuB), sind es gute Nachrichten, dass das Forscherteam jetzt grünes Licht für das GeoLab im Odenwald gegeben hat. Aus seiner Sicht ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Energiewende. "Toll, dass das Projekt bei uns stattfindet", betont er. "Das Interesse an Rimbach wird wachsen."

Gleichzeitig räumt er ein, es gebe auch kritische Stimmen in der Gemeinde und es müsse nun eine enge Abstimmung mit den Projektverantwortlichen geben, um die Einschränkungen durch den Bau für Anwohner möglichst gering zu halten.

Auch der Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt (CDU) sieht in dem Projekt eine große Chance. "Wir müssen unsere Energieversorgung weiter krisensicher ausbauen", ist er überzeugt, "vor allem mit Blick auf die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten".

Redaktion: Katrin Kimpel

Sendung: hr1,

Quelle: hessenschau.de