Verleihung in Frankfurt Sir Christopher Clark erhält Ludwig-Börne-Preis

Der Historiker Sir Christopher Clark hat in der Frankfurter Paulskirche den Ludwig-Börne-Preis erhalten. Der Australier gilt als einer der bekanntesten Erklärer europäischer Geschichte.

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit grauen Haaren und blauem Anzug an einem Rednerpult aus Marmor. Er trägt eine Brille und hat die Hände am Pult abgelegt.
Sir Christopher Clark bei der Preisverleihung in der Paulskirche. Bild © picture alliance/dpa | Helmut Fricke

In der Frankfurter Paulskirche ist der mit 20.000 Euro dotierte Ludwig-Börne-Preis an Sir Christopher Clark verliehen worden.

Der alleinige Preisrichter, Journalist Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, würdigte Clark als Historiker, der einem breiten Publikum neue Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg und die europäischen Revolutionen eröffnet habe.

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Ludwig-Börne-Preis an Sir Christopher Clark verliehen

Preis an Sir Christopher Clark verliehen
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"Christopher Clark ist ein mitreißender Erzähler von Geschichte, der uns unbefangen erklärt, wie wir wurden, was wir sind", heißt es in der Begründung weiter.

"Ehrung hat großes Gewicht"

Der Historiker betonte in seiner Dankesrede, sowohl Namensgeber Ludwig Börne als auch auch die vormaligen Preisträgerinnen und Preisträger würden dieser Ehrung ein großes Gewicht verleihen. 

"Besonders freut mich, dass es bei dieser Auszeichnung hauptsächlich um Kommunikation geht", sagte Clark. "Denn die Vermittlung von Wissen und Wissenschaft lag mir immer am Herzen."

Forschung zum Ersten Weltkrieg

Clark wurde 1960 im australischen Sydney geboren und lebt heute in Großbritannien. Dort lehrt und forscht er als Professor in Cambridge. Seine Schwerpunkte sind die Geschichte Preußens und der Erste Weltkrieg.

Besonders bekannt wurde Clark 2012 mit seinem Werk The Sleepwalkers. Darin legt er dar, wie die europäischen Großmächte 1914 in den Ersten Weltkrieg schlitterten und relativiert die These, dass das Deutsche Reich die Hauptverantwortung am Ersten Weltkrieg getragen hat. Das Buch wurde international kontrovers diskutiert.

Das Bild zeigt das Publikum bei einer Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche. Zu sehen sind mehrere Männer in blauen Anzügen, die in die Hände klatschen.
Bundespräsident Steinmeier, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) und der ausgezeichnete Sir Christopher Clark in der Paulskirche. Bild © picture alliance/dpa | Helmut Fricke

Von der Queen zum Ritter geschlagen

Der Australier ist mit der deutsch-britischen Kunsthistorikerin Nina Lübbren verheiratet und moderiert seit 2014 Dokumentarfilmreihen für das ZDF.

Für seine Verdienste um die deutsch-britischen Beziehungen schlug Königin Elisabeth II. Clark 2015 zum Ritter. 2022 erhielt er zudem das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.

Steinmeier fordert Tempo bei "Haus der Demokratie"

Bei der Verleihung war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend. In seiner Festansprache würdigte er Clark für seine "große Begabung, so verständlich wie unterhaltsam, so pointiert wie ernsthaft" über Geschichte schreiben zu können.

Steinmeier nutzte seine Rede außerdem für ein Plädoyer für die Zukunft der Paulskirche. Er drängte auf mehr Tempo beim geplanten "Haus der Demokratie". Die Paulskirche sei ein "herausragender Ort der deutschen Demokratiegeschichte", der "nicht unter seinen Möglichkeiten" bleiben sollte.

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit grauen Haaren und blauem Anzug an einem Rednerpult aus Marmor. Er trägt eine Brille und hat die Zeigefinger beider Hände gehoben.
Bundespräsident Steinmeier hielt eine Rede bei der Feierstunde. Bild © picture alliance/dpa | Helmut Fricke

Steinmeier betonte, dass seit 2020 Einigkeit zwischen Bund, Land und Stadt Frankfurt über die Pläne herrsche, aus der Paulskirche, in der 1848 die erste deutsche Nationalversammlung tagte, einen Erinnerungs- und Lernort für die Demokratie zu machen.

"Ich meine aber, es ist an der Zeit, endlich einen weiteren Schritt zu gehen", mahnte der Bundespräsident. "Für das künftige Haus der Demokratie sollte jetzt eine gemeinsame Trägerstiftung von Bund, Land und Stadt Frankfurt geschaffen werden. Und ich finde, wir sollten jetzt endlich verbindlich werden und einen Anfang machen."

Preis ehrt deutschsprachige Autoren

Der Börne-Preis ist nach dem Publizisten Ludwig Börne (1786 bis 1837) benannt und wird seit 1993 für besondere Essays, Kritiken und Reportagen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren vergeben.  

Im Vorjahr wurde der deutsch-israelische Historiker Dan Diner ausgezeichnet. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem auch Daniel Kehlmann, Robert Habeck, Joachim Gauck und Marcel Reich-Ranicki.

Sendung: hr INFO, 10.05.26, 07:00 Uhr / hr INFO, 10.05.26, 17:00 Uhr / hr-fernsehen, hessenschau, 10.05.2026 19:30 (angepasst: 11.05.2026, 17:17 Uhr),

Quelle: hessenschau.de, dpa/lhe

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